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Suchterkrankungen


In Österreich sind ...

... 2.170.000 Menschen nikotinabhängig (davon 1.250.000 starke RaucherInnen)

... 340.000 Menschen alkoholabhängig (weitere 715.000 Menschen mit missbräuchlichem Alkoholkonsum)

... 150.000 Menschen medikamentenabhängig (weitere 350.000 Menschen mit missbräuchlicher Medikamenteneinnahme) 

... 58.000 Menschen internetabhängig (weitere 267.00 Menschen mit problematischem Internetkonsumverhalten)

... 38.000 Menschen spielsüchtig (weitere 25.500 Menschen mit problematischem Spielverhalten)

... 28.000 Menschen opioidabhängig

(Stand 2016)


NIKOTIN

Seit 1. 1. 2001 gilt Nikotinabhängigkeit in Österreich als anerkanntes Krankheitsbild. Die Raucherinnenquote ist in den Jahren 2001 – 2011 im OECD-Durchschnitt um ein Fünftel, in Österreich nur um etwa ein Zwanzigstel gesunken. 12% aller Verstorbenen sterben infolge von Tabakfolgeschäden.


ALKOHOL

Rund zehn Prozent der erwachsenen Österreicherinnen (ca. 6 % der Frauen und ca. 14 % der Männer) erkranken im Laufe ihres Lebens an Alkoholismus, wobei nicht alle Erkrankten dies ein Leben lang bleiben. Aus dem Wiener Suchtmittelmonitoring (2013) geht hervor, dass die Häufigkeit des Alkoholkonsums mit steigendem Alter zunimmt. In erster Linie sind die über 50-Jährigen betroffen – dies trifft vor allem auf Männer zu.

In Österreich sterben pro Jahr rund 100 Personen an einer akuten Alkoholvergiftung. Darüber hinaus sind  10 % aller Todesfälle den Folgen eines übermäßigen und langwährenden Alkoholkonsums geschuldet. Die Lebenserwartung von AlkoholikerInnen verkürzt sich um durchschnittlich 17 Jahre bei Männern bzw. 20 Jahre bei Frauen.



MEDIKAMENTE

Medikamentenabhängigkeit ist die für die Umwelt unauffälligste aller Suchterkrankungen. Von einem Medikamentenmissbrauch gemäß ICD-10 wird gesprochen, wenn eine Substanz nicht mehr bestimmungsgemäß eingenommen und der Konsum fortgesetzt wird – trotz psychischer, körperlicher oder sozialer Folgeschäden. 

Im Bereich der Medikamentenabhängigkeit sind die Übergänge zwischen be- stimmungsgemäßem Gebrauch von Medikamenten, Missbrauch und Abhängigkeit fließend. Die Zahl der Medikamentenabhängigen in Österreich steigt seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich. Schätzungen zufolge gibt es mindestens 150.000 betroffene Personen in Österreich, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

Folgende Substanzgruppen können sowohl missbraucht werden als auch körperliche Abhängigkeit hervorrufen:

  • Amphetamine
  • Benzodiazepine (Beruhigungsmittel)
  • Non-Benzodiazepine (z-Drugs) 
  • Narkosemittel
  • Schmerzmittel

Derzeit werden zwei Arten der Medikamentenabhängigkeit unterschieden: "Low Dose Dependency" kann sich im Zuge einer Therapie (beispielsweise gegen Schmerzen) unter ärztlicher Aufsicht entwickeln. "High Dose Dependency" ist meist bei polytoxikomanem Konsummuster (gleichzeitiger Konsum von zwei oder mehr Substanzen) anzutreffen.

Während Männer vorwiegend illegale Substanzen (siehe unten) konsumieren, greifen Frauen hingegen eher zu Psychopharmaka. 




ILLEGALE SUBSTANZEN

 Etwa 30-40% der jungen Erwachsenen haben Konsumerfahrungen mit Cannabis.Des weiteren haben  von rund 2 bis 4 Prozent Konsumerfahrungen mit ,Ecstasy‘, Kokain und Amphetaminen und von rund 1 bis 2 Prozent für Opiate. Generell ist der Konsum von illegalen Substanzen bei den meisten Personen auf eine kurze Lebensphase beschränkt.

Als risikoreich wird Drogenkonsum dann bezeichnet, wenn dieser mit körperlichen, psychischen und/oder sozialen Problemen einhergeht. Opioidkonsum – meist im Rahmen von Mischkonsum – macht aktuell den Großteil risikoreichen Drogenkonsums in Österreich aus.



PROBLEMATISCHES UND PATHOLOGISCHES GLÜCKSSPIEL

Der höchste Anteil der pathologisch und problematisch Glücksspielenden findet sich unter 18- bis 35-jährigen Männern, die gering verdienen. Zudem besteht für Personen mit Migrationshintergrund sowie Befragte, in deren familiärem Background bereits glücksspielbezogene Probleme auszumachen sind, ein erhöhtes Risiko, selbst Spielprobleme zu entwickeln.

An erster Stelle steht die Nutzung von Automatenspiel in der Spielhalle, gefolgt von  Sportwetten, dem klassischen Casinospieleren und dem Automatenspiel im Casino. 



PROBLEMATISCHE UND PATHOLOGISCHE INTERNETNUTZUNG

Für Deutschland wurde erhoben, dass ca. 1% der 14- bis 64-Jährigen internetabhängig sind und weitere 4,6 % das Internet problematischen gebrauchen. Besonders gefährdet ist die Altersgruppe der 14-24jährigen. Hier liegt die Zahl der Internetabhängigen bei 2,4 % und der Personen mit problematischem Nutzerverhalten bei 13,6 %. Bei den 14- bis 16-Jährigen sind sogar 4 % Internetabhängige zu verzeichnen.

Für beide Geschlechter der 14- bis 24-Jährigen steht an erster Stelle die Nutzung von Sozialen Netzwerken. Bei den Mädchen und Frauen folgt gleich darauf E-Mail-Verkehr, bei Burschen und Männer liegt an zweiter Stelle hingegen das Onlinespielen.

Bei den Internetabhängigen gaben 36,6 % an, dass ihre diesbezügliche Hauptaktivität in Onlinespielen bestand, 36,6 % erwähnten Soziale Netzwerke und 26,8 % andere Internetanwendungen. Onlinespielerinnen hielten sich am längsten im Internet auf. Frauen waren deutlich häufiger von einer Abhängigkeit von Sozialen Netzwerken betroffen.



HYPERSEXUALITÄT

Die Spielsucht, Internetsucht, Kaufsucht und die Arbeitssucht werden in Fachkreisen weitgehend als substanzungebundene Abhängigkeiten verstanden. Für die "Sexsucht" oder "Hypersexuelle Störung" gibt es noch keine einheitliche Klassifizierung. 

Als wichtigste Kriterien für Hypersexualität gelten ein 

  • hoher Zeitbedarf für die Beschäftigung mit sexuellen Impulsen und Verhaltensweisen
  • exzessives Sexualverhalten als Reaktion auf negative Gefühle und belastende Ereignisse sowie 
  • erfolglose Versuche, das Sexualverhalten trotz negativer Konsequenzen zu kontrollieren (Mann, 2014). 

Wie auch bei anderen Verhaltenssüchten reicht die Häufigkeit sexueller Aktivität allein nicht aus, um das Verhalten als pathologisch einzustufen. Haselbacher (2013) schlägt die folgenden drei wesentlichen Kriterien zur Diagnose der Sexsucht vor:

  • Die Gedanken kreisen ständig um Sex und sexuelle Kontakte.

  • Die Sexualität beherrscht das soziale Verhalten. Andere Interessen bestehen kaum noch.

  • Die Ausübung sexueller Kontakte wird immer weniger befriedigend, oft kommt es gar nicht zum Erleben einer Befriedigung (Orgasmus ohne Befriedigung oder fehlender Orgasmus).

Schätzungen gehen von Prävalenzraten zwischen 3 und 6 % im deutschsprachigen Raum aus. Das Verhältnis von Männern zu Frauen wird mit 3 : 1 bis 5 : 1 eingestuft. Bei Frauen steht vor allem promiskuitives Verhalten sowie Onlinekontakte im Vordergrund, bei Männern hingegen Pornografie und Masturbation.



Quelle:

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Beteiligung der Arbeitsgruppe ICD des Kuratoriums für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (2018). ICD-10-GM. Systematisches Verzeichnis. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision - German Modification.  

Fachstelle für Suchtprävention NÖ (2016). Basiswissen Sucht und Suchtprävention: Zahlen, Daten & Fakten. Abhängigkeitserkrankungen und ausgewählte Störungen.