TOTAL NORMAL

EINE INFORMATIONSSEITE ZU PSYCHISCHER GESUNDHEIT

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Autismus wird oft auch als Informations- und Wahrnehmungsverarbeitungsstörung bezeichnet, die sich vor allem in folgenden Bereichen auswirkt:


SOZIALE INTERAKTION

Kontakt mit anderen Menschen gestalten sich für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung oft schwierig, da sie Emotionen im Gesicht anderer Menschen schwer erkennen und Gedankengänge Anderer schwerer nachvollziehen können. Sie können sich deshalb weniger gut in andere Personen einfühlen und haben Probleme damit, soziale Situationen richtig zu verstehen. Aufgrund dieses Unverständnisses halten sie sich oft nicht an gesellschaftliche Regeln. Was aber nicht heißt, dass ihnen die Emotionen und Bedürfnisse Anderer gleichgültig sind – sie erkennen die emotionalen Zustände einfach nur nicht so gut, um angemessen darauf reagieren zu können.


WAHRNEHMUNG

Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung empfinden ihre Umwelt oft als chaotisch und unvorhersehbar. Sie haben große Schwierigkeiten damit, sich in neuartigen Situationen zurechtzufinden. Durch den Einsatz bestimmter Verhaltensmuster (Stereotypien, Spezialinteressen, ...) versuchen Betroffene daher ihre Umwelt vorhersehbarer und durchschaubarer zu gestalten. 

Betroffene nehmen bestimmte Reize (Geräusche, Stimmen, Geschmack, Geruch, Kleidung auf der Haut, ...) oftmals intensiver wahr als gesunde Menschen das tun. Diese Reize werden oft als unangenehm oder auch schmerzhaft empfunden. Es kann jedoch auch eine Unterempfindlichkeit bei manchen Sinneswahrnehmungen vorliegen (z.B. Schmerz, Kälte). Das Zuführen von strengen Gerüchen, Nahrungsmittel mit intensivem Geschmack, das Erzeugen von schnellen und rotierenden Bewegungen wie Schaukeln und Hüpfen, oder das Befühlen von rauen Oberflächen dient dann dazu, sich besser zu spüren


INFORMATIONSVERARBEITUNG/AUFMERKSAMKEIT

(www.autistenhilfe.at)

Betroffene richten ihre Aufmerksamkeit vorwiegend auf das, was für sie von Interesse ist. Deshalb haben sie Schwierigkeiten, zu erkennen, was im Moment am wichtigsten ist. Beispielsweise liegt der Fokus eines Kindes in der Mathematikstunde mehr darauf, seine Buntstifte zu ordnen als die Mathematikaufgaben zu erledigen. Eine weitere Schwierigkeit ist der Wechsel von einer Tätigkeit auf die andere und somit die Verlagerung der Aufmerksamkeit. Oft können Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung erst mit einer neuen Aufgabe beginnen, wenn sie die vorherige beendet haben. Für das oben genannte Beispiel würde das bedeuten, dass das Kind erst mit den Mathematikaufgaben beginnen kann, wenn alle Stifte geordnet sind.

Betroffene lernen besser, wenn Ihnen Information anhand von Bildern oder in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt wird, da die sprachliche Information weniger gut verarbeitet werden kann.

Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung fokussieren mehr auf Details als auf das Gesamtbild. Beispielsweise fokussiert ein Kind mit Autismus-Spektrum-Störung nur die Räder eines Spielzeugautos und erkennt nicht, dass es sich dabei um ein Auto handelt.

Betroffenen fällt es oft schwer, Erfahrungen, die sie bereits in einer Situation gesammelt haben, auf andere Situationen zu übertragen. Beispielsweise kann sich ein Kind zuhause seine Hände ohne fremde Hilfe waschen, in der Schule gelingt das nicht, weil das Waschbecken und der Wasserhahn anders aussehen (www.autistenhilfe.at)


Zur Gruppe der Autismus-Spektrum-Störungen zählen

  • der frühkindliche Autismus (zeigt sich vor dem 3. Lebensjahr, Beeinträchtigungen in der Kommunikation und in der sozialen Interaktion, stereotype Verhaltensweisen, eingeschränkte Interessen, verzögerte bzw. eingeschränkte Sprachentwicklung)
  • das Asperger Syndrom (keine sprachliche Entwickungsverzögerung, durchschnittliche bis überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten, 
    oft Schwierigkeiten im sozialen und kommunikativen Bereich, wenig Flexibilität, häufig ausgeprägte Spezialinteressen, ev. Verzögerungen in der motorischen Entwicklung)
  • der atypische Autismus (ähnlich dem frühkindlichen Autismus, es sind jedoch entweder nicht alle Diagnosekriterien erfüllt oder der Beginn der Symptomatik liegt nach dem 3. Lebensjahr)


Quellen:

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF (2016). Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 1: Diagnostik. Interdisziplinäre Leitlinien der DGKJP und DGPPN sowie der beteiligten Fachgesellschaften, Berufsverbände und Patientenorganisationen. www.awmf.org/leitlinien.html

Autistenhilfe. https://www.autistenhilfe.at

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Beteiligung der Arbeitsgruppe ICD des Kuratoriums für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (2018). ICD-10-GM. Systematisches Verzeichnis. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision - German Modification.