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Angsterkrankungen

Angst als biologisch festgelegtes Alarmsignal ist wichtiger Bestandteil unserer Empfindungen. Im mittleren Ausmaß auftretend steigert sie unsere Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit. Von einer Angsterkrankung spricht man dann, wenn die Angst ein übersteigertes Ausmaß annimmt. Die Abgrenzung zwischen "gesunder" Angst und übermäßiger Angst ist oft schwierig, die Übergänge sind fließend. 

Angststörungen sind in Österreich die häufigsten psychischen Erkrankungen. In den letzten zwölf Monaten erlebten 15,3% der Erwachsenen eine Form der Angststörung.  Angsterkrankungen treten oft in Verbindung mit einer Depression, einer Zwangserkrankung oder anderen psychischen Erkrankungen auf. Es werden im Wesentlichen Panik, Phobie, Generalisierte Angststörung unterschieden.



PHOBIE

In der Phobie wird die Angst überwiegend durch eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen, z. B. 

Agoraphobie (Angst vor Menschenmengen oder in Bus/Bahn/Flugzeug zu reisen)

soziale Phobie (intensive Angst, von anderen negativ bewertet zu werden, z.B. intensive Angst, durch bestimmte Verhaltensweisen, durch die eigene äußere Erscheinung oder durch das Sichtbarwerden der eigenen Angst aufzufallen)

spezifische Phobien: Von einer spezifischen Phobie spricht man dann, wenn die Auslöser für die Angst klar eingegrenzt sind (z.B. Höhenphobie, Tierphobien, Blut-, Verletzungs- und Spritzenphobie, Zahnarztphobie, Flugphobie). In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Allein die Vorstellung, dass die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst. 


PANIK

Wesentliches Kennzeichen der Panik sind wiederkehrende schwere Angstattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. 

Typische Symptome einer Panikattacke sind neben Herzrasen, Schwindel, Schweißausbruch, Atemnot und Übelkeit auch Todesangst und nach Abklingen des Anfalls auch die Angst vor der nächsten Panikattacke. 

Vor Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine medizinische Abklärung erforderlich. Für Betroffene und Angehörige stellen Panikattacken eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. 


GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG

Bei der Generalisierten Angststörung ist die Angst anhaltend und nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt. 4-7% der Bevölkerung sind von der generalisierten Angststörung betroffen.

Beschwerden wie ständige Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden gehören zu diesem Bild. Die generalisierte Angststörung ist häufig gekennzeichnet durch massive Unruhe, die mit anhaltenden Sorgen und Grübeln verbunden ist. Betroffene beschreiben oft, dass sie sich über mehrere Stunden des Tages hinweg nur mit Sorgen auseinandersetzen. Oft wird die Befürchtung geäußert, man selbst oder Angehörige könnten demnächst erkranken oder einen Unfall haben. Der Schlaf ist gestört und durch Grübel- und Sorgenphasen unterbrochen. 



Behandlung der Angsterkrankung:

Im psychotherapeutischen Prozess geht es darum, mit der Angst in Dialog zu kommen und sie als Teil von sich selbst zu akzeptieren, die Angst als Freund und nicht als schlimmsten Feind zu begreifen. Wenn dies gelingt, wird es möglich, sie zu beruhigen und auch der Angst vor der Angst zu begegnen.

Studien belegen, dass der Großteil der PatientInnen mit Angsterkrankungen durch Psychotherapie eine deutliche Verbesserung ihrer Situation erreichen konnte.


Quellen:

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Beteiligung der Arbeitsgruppe ICD des Kuratoriums für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (2018). ICD-10-GM. Systematisches Verzeichnis. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision - German Modification.  

Morschitzky, Hans (2016):  Angststörungen. In: Ärzte exklusiv 6.